Snowboardtouren im Kleinwalsertal – ein Paradies?

In diesem Winter ist einiges durcheinander gewirbelt. Wegen Corona gibt es quasi Reiseverbote nach Österreich und in die Schweiz. Mit anderen Worten: Zu den guten Snowboardtouren im Hochgebirge. Wer es gewohnt ist, in der Silvretta, dem Montafon oder diversen, ruhigen Regionen in der Schweiz unterwegs zu sein, der muss sich nun umorientieren. Zusätzlich wirbelt das Wetter herum: Mit fast sommerlichen Warmphasen, gefolgt von starken Schneefällen, die schnell mal einen Meter Neuschnee zusammen bringen. Der Klimawandel lässt grüßen, die außer Norm geratenen Jetstreams könnten hierfür verantwortlich sein. Aber man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Daher starten wir unsere Erkundungstouren im Allgäu und Kleinwalsertal. Zum Glück gibt es für das Kleinwalsertal eine Ausnahmeregelung: Hier sind die Grenzen offen. Den Snowboardtouren im Kleinwalsertal steht also nichts entgegen.

Unsere Wahl fällt auf das Kleinwalsertal, weil man hier Startmöglichkeiten für die Snowboardtouren auf über 1000 Meter findet. Darunter liegt oft zu wenig Schnee, oder er ist so feucht, dass man nur Wasserski fahren kann. Die Hoffnung, dass nur wenige Leute über die erlaubte Einreise ins Kleinwalsertal Bescheid wissen, zerstreut sich bald. Dennoch finden wir eine paar stille Örtchen – die ausgiebige Recherche im Kartenmaterial und in den Satelitenbildern von Google Earth zahlt sich aus. Allerdings muss der Parkplatz unter Umständen selbst geschaufelt werden.

Dafür werden wir mit Traumpulverschnee in einem wirklichen Winterwonderland entschädigt. Die Landschaft ist tief verschneit, die Temperaturen liegen um -15°C. Die tief stehende Wintersonne zaubert ein schönes Schattenspiel auf die weißen Wellen, Kuppen und Hügel. Mit Lawinenstufe 3 muss sich die Wahl der Tour allerdings auf flacheres Gelände beschränken. Denn safety is number one priority 😉

Trotz der kalten Temperatur wärmt die Sonne bei der Gipfelpause schon ganz ordentlich. Es bleibt also Zeit, das schöne Bergpanorama des Kleinwalsertals zu genießen. Überall blinzeln sie hinter den Gipfeln und Kämmen hervor: Die Berge Österreichs, die gerade wegen Corona tabu sind. Zumindest für alle, die sich keine Quarantäne leisten können. Sehnsucht macht sich breit, Erinnerungen an vergangene Touren ziehen vor meinem inneren Auge vorbei. Wie lange das Coronachaos wohl noch so weiter gehen soll?

Bevor es zu dramatisch wird, stürzen wir uns in die Powderhänge. Und schon fliegt der Schnee, fluffig und in schönen Bögen. Die Powderqualität ist 1A, unglaublich weich und schnell. Da werden die Stops für Abfahrtsbilder doch glatt überfahren und die Kamera erst wieder gezückt, als wir das Tal gemütlich raus cruisen. Snowboardtour Nummer eins ist ein voller Erfolg!

Tag 2: Snowboardtour auf den Gottesacker – schönste Region im Kleinwalsertal?

Neuer Tag, neue Tour. Dieses mal in Richtung Gottesackerplateau. Dieses ist im Sommer möglicherweise eine der schönsten Bergtouren im Kleinwalsertal. Umso verwunderter sind wir, dass hier der Parkplatz nur halb voll ist. Der Aufstieg ist schön und gemütlich, vorbei an einer Felswand durch einen schönen, lichten Wald. Dieser ist allerdings stellenweise deutlich flacher, als erhofft. Das bedeutet für die Abfahrt, dass eine gute Linienwahl Pflicht ist.

Als wir den Wald hinter uns lassen, öffnen sich die Flanken des Gottesackers. Auch hier ist die Linienwahl wichtig, um nicht in einer der vielen kleinen und großen Mulden stecken zu bleiben. Ortskenntnis zahlt sich aus. So beobachten wir die wenigen, schon vorhandenen Abfahrtsspuren – wer hat die beste Linie gelegt? Was macht Sinn, was nicht?

Die Gipfelrast fällt heute kurz aus, denn der Wind macht längeres Verweilen ziemlich ungemütlich. Wurscht, wir sind ja wegen der Abfahrt da. Wie tags zuvor fliegt uns der Champagnepowder um die Ohren und zaubert das Grinsen schon nach dem ersten Schwung ins Gesicht. Die Abfahrtsspur, an der wir uns orientieren, ist eine gute Wahl. Offensichtlich war hier ein anderer Snowboarder mit ausreichend Ortskenntnis unterwegs – wir kommen an allen Mulden gut vorbei und haben mächtig Spaß dabei. Weiter unten im Wald verteilen sich die Spuren. Nach einem kurzen Blick in die Karte entscheiden wir uns für eine breitere Rinne. Auch das ist eine gute Wahl: Garniert mit kleinen Sprüngen an den Seitenwänden kommen wir schön vorwärts. Nie ist es zu flach. Die Rinne entpuppt sich als tolle Waldabfahrt. Wieder alles richtig gemacht!

Unser Fazit: Das Kleinwalsertal hat tatsächlich ein paar schöne Snowboardtouren zu bieten. Wer sucht, der findet auch abseits der Massen Möglichkeiten, eher in Ruhe schöne Touren zu gehen.